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Japan_Die Kunst des Badens

ONSEN in Japan - DIE KUNST des Badens

In Beppu ist das Thermalwasser tief im Alltag verankert. Viele Haushalte haben Zugang zu Thermalwasser, das einfach aus dem Wasserhahn fließt. Das ist der Alltag in Beppu.

Ein japanisches Volkslied sagt: »Ein Onsen kann alles heilen, nur enttäuschte Liebe nicht.« Ein Bad in einem der rund 3.000 Onsen des Landes ist weit mehr als im Wasser baden. Es ist ein kulturelles wie spirituelles Erlebnis, für Mensch und Tier.

Dank ihres vulkanischen Ursprungs sind Onsen, also heiße Quellen, auf allen vier Hauptinseln Japans zu finden. Die Nutzung der heißen Quellen als Badeort geht auf das siebte Jahrhundert zurück. In jener Zeit breitete sich der Buddhismus im Land aus. Bei den religiösen Zeremonien galt und gilt das Wasser als Zeichen der Reinigung. Erste Bäder entstanden ab dem 13. Jahrhundert mit dem Bau buddhistischer Tempel.

Thermalquelle in der Stadt Beppu. Foto: © istock.com/YobabThermalquelle in der Stadt Beppu. Foto: © istock.com/Yobab

Die natürlichen Quellen sind oftmals in einer malerischen Landschaft zu finden. In einem Wald, an einem Fluss, an einem rauschenden Wasserfall und sogar am Meer oder auf einem Berggipfel auf 2.300 Metern Höhe. Noch vor 200 Jahren gingen die Menschen regelmäßig in einen Onsen. Es war zugleich ein Ort der Reinigung, der Entspannung, des sozialen Miteinanders. Ein ganzes Dorf ging mitunter gemeinsam und unbekleidet baden. Eine Geschlechtertrennung gab es nicht.

Der Shima Onsen ist mit Bus und Bahn etwa drei Stunden von Tokio entfernt. Foto: © istock.com/Sean PavoneDer Shima Onsen ist mit Bus und Bahn etwa drei Stunden von Tokio entfernt. Foto: © istock.com/Sean Pavone

Das tägliche Baden und die Gemeinsamkeit veränderten sich ab dem 19. Jahrhundert. Wohnungen wurden mehr und mehr mit Bädern ausgestattet. Doch ein Bad in einem Onsen ist für Japaner und Besucher nach wie vor ein unbedingtes Muss. Manche Onsen, wie das Noboribetsu, Hakone, Dogo Onsen oder Beppu, haben sich im Laufe der Jahrzehnte zu einem pulsierenden Kurort entwickelt. Sie sind in der Hauptreisezeit mindestens so gut besucht wie die Urlaubsinsel Mallorca. Andere sind klein geblieben und liegen versteckt eingebettet in einer herrlichen Natur. Zu vielen Onsen gehört ein Ryokan. Es ist das traditionelle Gasthaus, das ganz im Wohle des Gastes handelt.

Baden und Speisen

Der tradi­tionelle Yukata (Baumwollkimonos) wird von Frauen wie Männern getragen. Das Modell für die Herren fällt ­dezenter aus. Foto: © iStock.com/Satoshi-KDer tradi­tionelle Yukata (Baumwollkimonos) wird von Frauen wie Männern getragen. Das Modell für die Herren fällt ­dezenter aus. Foto: © iStock.com/Satoshi-K

Im legeren Yukata, einem Baumwollmantel, genießen es die Japaner, durch einen Ort von Quelle zu Quelle zu flanieren. Ein Onsen, das einem Ryokan angeschlossen ist, erlaubt aber ausschließlich nur den Gästen, ein wärmendes Bad zu nehmen. Abgerundet wird das Erlebnis Onsen und Ryokan mit einem regionalen Kaiseki-Menü. Dabei handelt es sich um ein traditionelles Menü, bestehend aus kleinen, kunstvoll angerichteten Gängen, die eine abwechslungsreiche Abfolge von Gegrilltem und Gedämpften bieten.

Neben der wohltuenden und entspannten Atmosphäre bieten die Onsen mit ihrer mineralischen Zusammen­setzung des Wassers auch einige gesunde Aspekte. So verbessert ein Bad die Durchblutung, senkt den Stress, lindert Schmerzen wie Muskelverspannung, Arthritis oder Rheuma und sorgt zugleich für eine gesündere Haut. Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Hautproblemen sollten vor dem wohlig-warmen Bad in einem Onsen zunächst ihren Arzt befragen.

Die Onsen-Etikette

Wer nicht als Barbar gelten will, sollte unbedingt auf die Onsen-Etikette achten. Nach wie vor sind Tattoos in einem Onsen verpönt. Sie erinnern noch an die jahrhundertelange Zeit der Yakuza, die mit kriminellen Handlungen die Menschen in Angst und Schrecken versetzte. So langsam ändert sich dieses Denken. Menschen mit einem Tattoo sollten vor dem Besuch eines Onsens einfach fragen, ob es gestattet ist.

Besonders viel Wert wird auf die Hygiene gelegt. Bevor Männer und Frauen getrennt ein Onsen betreten, legen sie zuvor sorgfältig gefaltet ihre Kleidung in einem Korb ab. Auf einem Hocker sitzend heißt es: ordentlich einseifen. Erst, wenn auch das kleinste Seifenflöckchen entfernt ist, ist das Entspannen in den warmen Quellen erlaubt. Die Wassertemperatur liegt zwischen heiß (42 Grad) bis kühl (unter 25 Grad).

Die Quelle von Kusatsu gilt unter Kennern mit über 60 Grad als die heißeste Quelle des Landes. Wegen der extrem hohen Temperatur wird das Wasser erst einmal eine halbe Stunde von Mitarbeitern mit großen Holzpaddeln auf etwa 47 Grad »kalt geklopft«. Die Empfehlung lautet: Das Bad sollte spätestens nach drei Minuten wieder verlassen werden. Selbst in dieser kurzen Zeit verlassen mutige Onsen-Bader die Quelle krebsrot. Und eine weitere Quelle kann mit einer Besonderheit aufwarten: der Onsen im Jigokudani Yaen-Koen Nationalpark nahe Nagano.

Vertrautes ­Beisammensein bei den Makaken in der Thermalquelle. Foto: © iStock.com/yoko_ken_chanVertrautes ­Beisammensein bei den Makaken in der Thermalquelle. Foto: © iStock.com/yoko_ken_chan

Die Winter sind sehr streng. Im Jahr 1970 erschien ein Foto von badenden Affen in den warmen Quellen auf der Titelseite des LIFE-Magazins. Die hier wild lebende Affenart der Japanmakaken, auch bekannt als Schneeaffen, hatten für sich das Baden in den warmen Quellen ebenso entdeckt. Anders als der Mensch sind sie nicht da, um zu baden. Ihnen geht es vor allem darum, ein wenig Wärme in den kalten Wintermonaten zu genießen. Forscher haben herausgefunden, dass die Tiere den Wunsch nach einem warmen Bad an die nachfolgende Generation weitergeben. Wer die Tiere beim Baden beobachten will, kann das gerne tun. Die Makaken selbst lassen sich dadurch nicht von ihrem warmen Bad in ihrem Onsen abhalten.

»EIN ONSEN KANN ALLES HEILEN, NUR ENTTÄUSCHTE LIEBE NICHT.«

Ein Indoor-Onsen für die Privatsphäre. Foto: © iStock.com/Florent MartinEin Indoor-Onsen für die Privatsphäre. Foto: © iStock.com/Florent Martin

So zeigt sich bei einer Reise durch die Onsen-Kultur Japans, dass ein Bad in den heißen Quellen wärmt und fest mit einem Gefühl von Ruhe, Entspannung und Gelassenheit einhergeht. Für Mensch und Tier.

Ein Natur­erlebnis ist das Baden in den Onsen unter freiem ­Himmel. Foto: © iStock.com/paylessimagesEin Natur­erlebnis ist das Baden in den Onsen unter freiem ­Himmel. Foto: © iStock.com/paylessimages

Wer die Wahl hat, hat bekanntlich auch die Qual. Bei mehr als 2.000 Onsen im Land der auf­gehenden Sonne fällt es daher nicht immer leicht, in den zur Verfügung stehenden Urlaubs- und Erkundungstagen gleich den schönsten, ältesten und behaglichsten Onsen auszumachen. Hier ein kleiner ­Wegweiser durch die heißen Quellen Japans.

KLEINES ONSEN-WHO-IS-WHO

Wer die Wahl hat, hat bekanntlich auch die Qual. Bei mehr als 2.000 Onsen im Land der aufgehenden Sonne fällt es daher nicht immer leicht, in den zur Verfügung stehenden Urlaubs- und Erkundungstagen gleich den schönsten, ältesten und behaglichsten Onsen auszumachen. Hier ein kleiner Wegweiser durch die heißen Quellen Japans.

Dogo-Onsen
Dogo Onsen, nahe der Stadt Matsuyama auf der Insel ­Shikoku, blickt auf eine 3.000-jährige Geschichte zurück, und ist damit die älteste Thermalquelle Japans. Ein sehr volkstümliches Erlebnis ist ein Besuch im Dogo Onsen Honkan, einem eleganten, aus Holz gebauten öffentlichen Badehaus aus der Meiji-Zeit Ende des 19. Jahrhunderts: Bis zu 100 Bade­gäste finden hier Platz
dogo.jp/en


Onsen Hoshinoya Karuizawa
Heilende Quellen für Körper und Seele. Das Herzstück des Hoshinoya Karuizawa ist sein Onsen – ein Thermalbad, das von natürlichen heißen Quellen gespeist wird. Das Wasser, reich an Mineralien wie Natrium und Kalzium, pflegt nicht nur die Haut, sondern löst auch Verspannungen und fördert die Durchblutung. Das Onsen hat einen separaten Bereich jeweils für Damen und Herren und bietet sowohl Innen- als auch Außenbecken. Besonders magisch ist das Meditation Onsen, ein halboffener Bereich, in dem Gäste im warmen Wasser sitzend den Wald und den Fluss betrachten können.
hoshinoresorts.com/en

Yufuin-Onsen
Das malerische Onsen-Städtchen Yufuin liegt im Herzen von Japans südlichster Hauptinsel Kyushu, in einem Talbecken am Fuße des Berges Yufu. Schon nach der Ankunft mit dem Zug findet sich die erste heiße Quelle direkt im Bahnhofsgebäude. Das ganze Tal ist reich an heißen Quellen. Über dem in Yufuin gelegenen See Kinrin-ko kann man an kalten Tagen Dampf aufsteigen sehen: Vom Seegrund strömt nämlich heißes Wasser an die Oberfläche, der sich dort sofort in Nebelschwaden verwandelt.
japan.travel/de

Nozawa-Onsen
Im Norden der Präfektur Nagano ­gelegen,bietet Nozawa Onsen seinen Gästen im Winter den reizvollen Kontrast von Schnee und heißem Quellwasser. Der Kurort liegt in einem der beliebtesten Skigebiete Japans.
en.nozawaski.com

Kusatsu-Onsen
Der Ort Kusatsu liegt am südöstlichen Fuß des Bergs Shirane in der Präfektur Gunma nordwestlich von Tokio – ­Nagano schließt sich östlich daran an. Umgeben von einer vulkanischen Hochebene, ist die Gegend ideal zum Wandern. Kusatsu-Onsen hat Tradition. Schon seit etwa 1.000 Jahren ist der Ort bekannt für seine heißen Quellen. Attraktionen sind Yubatake, die Hauptquelle, die pro Minute etwa 5.000 Liter heißes Wasser ausstößt, und Yumomi, wo die Frauen von Kusatsu traditionell durch Umrühren mit Holzbrettern das sehr heiße Onsen-Wasser abkühlen, ohne kaltes Wasser zuzuführen.
japan.travel/de/

Kurokawa-Onsen
Kurokawa-Onsen liegt ebenfalls auf Kyushu, etwas nördlich des Mt. Aso zwischen den Städten Kumamoto und Beppu. Der Ort ist besonders bekannt für seine Onsen-Bäder im Freien und besonders hübsche Ryokans. Diese typisch japanischen Hotels sind hier im Gegensatz zu anderen Kurorten meist klein, aber auch nicht teuer. Durch seine einzigartige Lage, versteckt inmitten von Bergen, ist Kurokawa-Onsen besonders beliebt bei japanischen Pärchen, die hier ihre Flitter­wochen verbringen oder auch nur ein romantisches ­Wochenende erleben möchten.
kurokawaonsen.or.jp/en

Ibusuki-Onsen
Ibusuki liegt ganz im Süden Kyushus, in der Präfektur Kagoshima. Japaner genießen hier ein besonderes Onsen-Erlebnis: Statt in heißes Wasser einzutauchen, lassen sich die Gäste in den heißen Sand eingraben. Dieser wird nämlich von unterirdischen Geysiren gewärmt. In einen Kimono gehüllt, bis zum Hals mit Sand bedeckt und einem Sonnenschirm zum Schutz über dem Gesicht, entspannt es sich hier bestens mit Blick aufs Meer.
visit-kyushu.com

Hakone
Am Fuße des Fuji-san liegt der Ort Hakone inmitten von Wäldern und Seen und einer Vielzahl meist ruhiger Thermalquellen mit natriumchlorid­haltigem, milchigem Wasser. Da man den Ort in einer guten Stunde von Tokio aus erreichen kann, kommen viele Bewohner der Hauptstadt am Wochenende hierher. Ein besonderes Highlight sind ausgedehnte Wanderungen mit Blick auf Japans Wahrzeichen, den Berg Fuji. In den eleganten Ryokan der Gegend machen vor allem Japaner Urlaub. Dem westlichen Besucher empfiehlt sich ein Aufenthalt im Fuji-Hakone-­Guesthouse, mit seinen kleineren, einfachen Onsen-Becken eine preiswerte Alternative. Die gastfreundliche Betreiber-Familie Takahashi spricht übrigens ausgezeichnet Englisch.
hakone-japan.com

Noboribetsu-Onsen
Noboribetsu-Onsen im Südwesten von Hokkaido bietet die Möglichkeit, in elf heißen Quellen zu baden. Sie weisen alle einen unterschiedlichen Mineraliengehalt auf. Umgeben ist der Ort von unberührter Naturlandschaft mit ­dichten Wäldern, Seen und Sümpfen. Einen beeindruckenden Anblick bietet auch das Jigokudani (Höllental), ein Krater von 450 m Durchmesser, wo aus den Felsen nach Schwefel riechende, gelbgraue, vulkanische Gase aufsteigen. Der Weg in das Sanlaiva-Skigebiet ist nicht weit, sodass sich Sport und Entspannung miteinander ver­binden lassen.
noboribetsu-spa.jp/en

Onsen, Präfektur Wakayama
Die Wakayama-Präfektur bietet verschiedenste Möglichkeiten, Japans Natur kennenzulernen. Eine davon ist eine Wanderung auf der Kumano Kodo Pilgerroute, die von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt wurde und die in der Tempelstadt Koyasan beginnt. Doch egal, ob man auf Pilgerschaft ist oder das Wandern in schöner Natur genießen möchte, ein Zwischenstopp in den Onsen Wakayamas gehört dazu. Ein besonderes Erlebnis sind die am Strand liegenden heißen Quellen von Shirahama, mit Blick aufs Meer.
visitwakayama.jp/en

Für Onsen-Fans

Die Onsen-Badekultur ist in ganz Japan zu finden. Zu den bekannten Onsen gibt es viele weniger bekannte Onsen. Die sind aber mindestens ­genauso einen Besuch wert. Eine Gruppe begeisterter Onsen-Fans in Japan möchte nun für die Orte ­werben. Auf der Website Hinabita Onsen Laboratory gibt es vielfältige Tipps für die verstecken Onsen. Die Seite ist in ­japanischer Sprache. Aber je nach Browser wird eine Übersetzung angeboten:
hina-ken.com


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