artifex 01/2026: Wellness
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Bademantel_»Robe de chambre«
KUSCHELIGER LEBENSBEGLEITER
»FRÜHER WAR DIE EDLE ROBE AUS SAMT UND SEIDE EIN KLEIDUNGSSTÜCK FÜR MÄNNER.« (Foto: © iStock.com/izusek)
Eingehüllt in den weichen Stoff eines Bademantels. Eine Tasse Kaffee oder Tee in der Hand. So kann der Tag beginnen. Der Bademantel spendet Wärme, saugt Feuchtigkeit auf und ist die Verbindung zwischen Nacktheit und Bekleidung. Erste Belege über den Bademantel reichen bis in die Antike zurück. Einem einzelnen Designer kann das Kleidungsstück nicht zugeordnet werden. Es waren die verschiedenen Kulturen, die die Entwicklung voranbrachten.
Insbesondere im Osmanischen Reich gehörten Hamam-Gewänder und Kaftane zur Badekultur. Sie saßen locker, wurden nur mit einem Gürtel befestigt und boten neben der Bequemlichkeit von Anfang an das Gefühl von Behaglichkeit und Wärme. Einen weiteren Schub erlebte der Bademantel im 17. und 18. Jahrhundert. Durch den Handel mit Japan gelangten die Kimonos nach Europa. Schnell entdeckten Künstler und Intellektuelle das Must-have für gemütliche Stunden. Morgenmäntel, auch als »Banyans« oder »Robe de chambre« bekannt, waren ab da in den höheren Kreisen, wie beispielsweise bei Voltaire oder Goethe, zu finden.
In den Genuss der Behaglichkeit kamen zunächst nur die Männer. Gekleidet in einen edlen Morgenmantel aus Samt und Seide, begrüßte die gehobene männliche Gesellschaft gerne ihre Gäste. Ein Glas in der einen und eine Zigarre in der anderen Hand. Zu einem wahren Eroberungszug setzte der Bademantel jedoch im 19. und 20. Jahrhundert an. Weber aus England und Frankreich entwickelten eine neue Webtechnik. Durch einen zusätzlichen Kettfaden, der zu einer Schlinge geformt wurde, stand mit dem Frotteestoff plötzlich ein Gewebe zur Verfügung, das über eine erstaunliche Saugfähigkeit verfügte und zudem weicher und voluminöser war als das bis dahin oft verwendete Leinen.
Mit der Entstehung von Kurorten, öffentlichen Bädern und einer Hotel- und Wellnesskultur avancierte der Frottee-Bademantel zu einem Erfolgsmodell, das bis heute Bestand hat. Schnell entdeckte Hollywood die Darstellungsmöglichkeiten, die ein Bademantel bot. In »The Big Lebowski« nutzte Jeff Bridges in der Rolle »The Dude« das legere Kleidungsstück als Ausdruck einer radikalen Gelassenheit. Für Jack Nicholson war in »Besser geht’s nicht« der Bademantel eine Art Schutzschild, der ihn mit seinen Zwangsritualen besser zurechtkommen lässt. Doch ein Mann sorgte für die vielleicht größte Popularität des Wellnessmantels: Udo Jürgens. Mit seinem Lied »Mercie Chérie« gewann der Sänger erstmals für Österreich den Grand Prix Eurovision de la Chanson (heute: Eurovision Song Contest).
Ein Jahr später geht Jürgens auf seine erste Solo-Tournee. Von Anfang an sind seine Konzerte ausverkauft. Die Menschen sind begeistert. Nach seinem Konzert am 4. Oktober 1967 in der Hamburger Musikhalle am Dammtor wirft sich der Künstler nach seinem Auftritt schwitzend und erschöpft in einen weißen Bademantel. Doch die Zuschauer fordern eine Zugabe. Sein Manager fordert ihn auf, noch einmal rauszugehen, und zwar so, wie er ist. Ab da ist der Bademantel sein unverzichtbares Markenzeichen.
Auf der ganzen Welt kennen und schätzen die Menschen den Bademantel. Bis heute ist das einfache Gewand ein Zeichen von Entspannung, Ruhe und Gemütlichkeit. Egal, wo und in welcher Situation.
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