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Speik_der Alpenbaldrian

KLEINE PFLANZE – große Wirkung

»DIE ERNTEMENGE IST AUF MAXIMAL 25 KILOGRAMM PRO SAISON LIMITIERT«.

Im UNESCO-Biosphärenpark Kärntner Nockberge wächst eine kleine Schönheit mit dem wohlklingenden Namen »Valeriana celtica subspezies norica«. Der Speik – auch als Alpenbaldrian bekannt – blickt auf eine langjährige Geschichte zurück.

Am Kärntner Nockberge erzählt man sich viele Geschichten rund um den Speick. Seit Jahrhunderten als Heilpflanze bekannt, ist es kaum vorstellbar, wie viel Kraft in dieser zierlich gelben Blüte steckt. Dennoch waren sich die Menschen durchaus über ihre Kostbarkeit bewusst, und das in vielen Kulturen. Im Orient schätzte man den Speik wegen seines intensiven und aromatischen Geruchs und der besonderen Fähigkeiten in der Kosmetik. In Nordafrika und in Europa badeten die Menschen mit Speik und parfümierten sich damit. Bräute wurden vor der Hochzeit sogar mit Speik eingerieben.

Und spricht man davon, dass der Speik bereits seit über 2000 Jahren bekannt ist, denkt man unweigerlich an das Jahr 0 – und damit an Christi Geburt. So soll Maria Magdalena die Füße Jesu mit Speik gesalbt haben: »Da nahm Maria ein Pfund echtes, kostbares Nardenöl, salbte Jesus die Füße und trocknete es mit ihrem Haar. Das Haus wurde vom Duft des Öls erfüllt.«... So soll es überliefert sein.

DIE EINZIGARTIGE PFLANZE DER NOCKBERGE
Okay, Speikvorkommen gibt es in vielen Alpenregionen. Aber: Nur in den Nockbergen, so heißt es, soll zwischen 1.800 und 2.300 Metern Seehöhe die Speikpflanze mit dem klingenden Namen »Valeriana celtica subspezies norica« wachsen. Nirgendwo anders gedeiht diese besondere Gattung. Sie soll über eine besonders hohe Konzentration an ätherischen Ölen und sekundären Planzenstoffen verfügen und wurde 1936 unter Naturschutz gestellt. Einzig und allein zwei Bauernfamilien in den Nockbergen besitzen das Recht, Speik von Hand auf dafür ausgewiesenen Flächen zu ernten. Vom 15. August bis zum 8. September widmen sie sich ihrer arbeitsintensiven Aufgabe, mit speziellen Krallen die unscheinbaren Pflanzen aus dem Almboden zu lösen.

Die Erntemenge ist auf maximal 25 Kilogramm pro Saison limitiert und wird von der Biosphärenpark-Verwaltung kontrolliert. Nach dem Trocknen wird die gesamte Ernte ins Speikwerk in Deutschland – gegründet 1928 – zur Weiterverarbeitung gebracht. Dem Speik-Bestand schadet die jährliche Ernte nicht. Ganz im Gegenteil. Die maßvolle Ernte hat eine positive Wirkung auf den Fortbestand des Speiks, wie wissenschaftliche Untersuchungen der Universität für Bodenkultur in Wien zeigen.

Foto: © iStock.com/belka_35Foto: © iStock.com/belka_35

AM ANFANG IST DIE REVOLUTIONÄRE IDEE
Es gibt Ideen, die wirken nach über 95 Jahren immer noch so frisch wie am ersten Tag. 1928 hat es sich Walter Rau, Sohn des Stuttgarter Familienbetriebs »Vereinigte Seifenfabriken«, in den Kopf gesetzt, die einzigartigen Eigenschaften der Speik-Pflanze zu nutzen – für eine sanfte und natürliche Seife zur Körperpflege.

Die lachsfarbene Seife mit dem charakteristischen Duft und Extrakt der Speik-Pflanze war damals eine kosmetische Revolution. Erstmals ging es um eine schonende wohltuende Körperpflege und nicht mehr allein um die Reinigung. Bis heute sorgen der Speik aus den Nockbergen und das Stuttgarter Unternehmen für eine natürliche Pflege mit der »Valeriana celtica subspezies norica«.


artifex 01/2026: Wellness - Seite 78