Vorlesen:

Ein Verein stellt sich vor

GETNAKEDGERMANY - Der jüngste Naturistenverein

Wer mit Bestehendem unzufrieden ist, muss neue Wege gehen. Aus dieser Motivation heraus entstand GetNakedGermany. Das Ziel: Naturismus mehr Akzeptanz zu verschaffen.

Ohne Australien und Brendan Jones gäbe es vermutlich auch kein GetNakedGermany, kurz GNG. 2014 landete er zusammen mit seiner Frau in Kroatien erstmals auf einem Nacktbadestrand und war von der Idee fasziniert. Er nahm die Idee der Freikörperkultur mit nach Australien, postete ein Jahr später erstmals auf Instagram einen Kalender, in dem er sich zusammen mit Freunden nackt inszenierte – und Get Naked Australia (GNA) war geboren. In der Folgezeit gingen seine Posts viral, GNA bekam immer mehr Anhänger, bis Mark Zuckerberg »Körpern den Krieg erklärte«, so Jones, und sämtliche Nacktheit zensierte.

Dem Erfolg tat das keinen Abbruch, auch in der zensierten Social-Media-Welt wuchs GNA und die Idee, Körperpositivität und damit sich selbst zu fördern. Und diese frischen Ideen, die Brendan Jones einbrachte, fehlten vielen auch in Deutschland, einem Land, das bereits gewachsene FKK-Strukturen besaß. Nur: »Der organisierte Naturismus in Deutschland war im Tiefschlaf«, erinnert sich Sönke, der 2022 zusammen mit anderen Naturisten GetNakedGermany als Initiative ins Leben ruft »Die ganze Welt explodierte nur so vor Ideen mit Nacktradeln, Nacktwanderungen oder Nackt-Yoga, gleichzeitig setzte sich die »Stop-Bodyshaming«-Bewegung immer weiter durch, aber verbandsseitig passierte in Deutschland nichts.«

Ein Grund war die Überalterung in den Vereinen, die Veränderungen ausbremste. Vor allem aber beklagten die Aktiven rund um GNG die Tatsache, dass Naturismus keine aktive Lobby hatte, wie 2020 das Nacktbadeverbot in Lychen bewies. Seit über 100 Jahren wurde an den uckermärkischen Seen nackt gebadet, doch die Stadtverordneten erließen ein Nacktbadeverbot. Ohne vorherige Diskussionen, ohne Anhörung, allein auf Hinweise besorgter Eltern, dass man Kindern den Anblick nackter Menschen nicht zumuten könne. »Es ist längst wissenschaftlich belegt, dass einfache Nacktheit niemandem, egal wie alt, nicht schade«, so Sönke, der es sich mit der Initiative zum Ziel machte, Naturismus zu fördern, weil offizielle Verbände stumm blieben.

Angetrieben von den Erfolgen der Australier, zudem inspiriert durch erfolgreiche Blogger wie Nick & Lins von Naked Wanderings und der professionellen Medienarbeit von British Naturism, will GNG Naturismus positiv besetzen und fördern. »Arbeitsfelder gibt es reichlich«, sagt Jeannette Langner, Vorsitzende von GNG. »Wir wollen versuchen, den Naturismus generell und Aktivitäten im Besonderen zu fördern.« Die Ziele hat GNG kurz zusammengefasst:

  • Förderung und Bewahrung des Naturismus und der Freikörperkultur als Brauchtumspflege
  • Angebot, Förderung und Unterstützung naturistischer Aktivitäten
  • Förderung des Selbstbewusstseins und des Selbstwertgefühls durch praktizierten Naturismus
  • Erreichung der Rechtssicherheit des Nacktseins innerhalb Deutschlands, vorrangig außerhalb geschlossener Ortschaften
  • Anerkennung der Freikörperkultur (Naturismus) als Kulturerbe in Deutschland
  • Anerkennung öffentlicher Nacktheit als Menschenrecht in parteipolitischer, religiöser und geschlechtlicher Neutralität
  • Zusammenarbeit mit anderen Institutionen, die verwandte Ziele verfolgen

Ein großes Ziel hat sich GNG selbst gesetzt: »Wir wollen versuchen, die Freikörperkultur als immaterielles Kulturerbe anerkennen zu lassen«, so Geschäftsführer Thomas Krämer. Im Oktober 2025 hat GNG einen entsprechenden Antrag abgegeben. Vorausgegangen war eine zwölfmonatige, intensive Gruppenarbeit.

Heute hat der Verein fast 240 Mitglieder, ist deutschlandweit und international gut in der naturistischen Gemeinschaft vernetzt und wirbt in den Sozialen Medien auf allen Kanälen für mehr Naturismus und will mit gezielter Pressearbeit das Interesse an FKK fördern und für mehr Akzeptanz sorgen. »Wichtig ist der Mitmach-Gedanke«, sagt Langner. »Wir halten Besucher unserer Website an, selbst Erfahrungen zu machen und uns auch einzureichen, um so weiter FKK in die Breite tragen zu können.« Auf der Vereinswebsite gibt es einen Kalender für FKK-Events, aber auch ein globales Verzeichnis von Orten, an denen Naturismus praktiziert werden kann.

Tatsächlich greifen erste Medien Pressemitteilungen auf, die Follower-Zahlen in den Sozialen Medien steigen mittlerweile kontinuierlich. Dazu tragen auch Erfolge wie der erste organisierte Nackt-Besuch im Haus der Geschichte und dessen Sonderausstellung zur Badekultur in Stuttgart im Sommer 2025 bei. Das Medienecho auf die Aktion lief über alle Kanäle – und das sogar weltweit!
getnakedgermany.de


artifex 03/2026: Naturismus - Seite 44