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Schwämme_Naturprodukt

EINE SANFTE ­Berührung des Meeres

Natürlich, weich und wohltuend. Nichts geht über das Gefühl eines Naturschwamms auf der Haut. Schon in der Antike war das Naturprodukt in der Kosmetik und in der Badkultur ein unentbehrliches, sanftes Utensil.

Eingetaucht in Wasser fühlt sich ein Naturschwamm überraschend weich und flauschig an. Ein Schwamm kann sich jeder Kontur anpassen, massiert leicht und zart und hinterlässt ein angenehmes Hautgefühl. Hippokrates, griechischer Arzt und Begründer der wissenschaftlich basierenden Medizin, wusste schon im 5. Jh. v. Chr. um die Wirkweise ­eines Schwamms zur sanften Reinigung und Wundpflege. Einige Jahrhunderte später war es Florence Night­ingale, die gezielt Naturschwämme in der Krankenpflege in Großbritannien einsetzte.

Als einer der größten Schwammhändler Europas exportiert der Familienbetrieb handwerklich hergestellte Naturschwämme in über 60 ­Länder. Foto: © planetmutlu.comAls einer der größten Schwammhändler Europas exportiert der Familienbetrieb handwerklich hergestellte Naturschwämme in über 60 ­Länder. Foto: © planetmutlu.com

Seit mehr als 125 Jahren ist das Unternehmen Croll & Denecke auf die Verarbeitung und den Export von Naturschwämmen spezialisiert. Als einer der größten Schwammhändler Europas exportiert der Familienbetrieb handwerklich hergestellte Naturschwämme in über 60 Länder. »Die meisten unserer Schwämme kommen aus dem Mittelmeer«, erzählt Nina Hankiewicz-Brandes, Geschäftsführerin und Mitinhaberin in 4. Generation im Gespräch mit »artifex«. Mit Blick auf den Klimawandel hat sich das Unternehmen in den letzten Jahren auch auf die Schwämme aus der Karibik konzentriert. Doch nach wie vor kommen die besten ihrer Art aus dem Mittelmeer.

Vorwiegend stammen die Naturprodukte aus dem östlichen Mittelmeer. Vor allem aus Griechenland rund um die Inseln wie Kalymnos und anderen Teilen der Ägäis. Und nach wie vor sind es kleine Familienbetriebe, die in den Gewässern nach den Pflanzen tauchen und sie in Handarbeit ernten. Der Tausendsassa unter den Meeresorganismen ist, genau betrachtet, das natürliche Gerüst eines Meerestieres. Durch seine unzähligen kleinen und großen Kammern kann ein Schwamm unter Wasser bis zum 20.000-Fachen des eigenen Volumens an Meerwasser filtern.

Foto: © Croll&DeneckeFoto: © Croll&Denecke

Taucher ernten in mehreren Metern Tiefe mit einem Messer den oberen Teil des Schwamms. So kann der Rest wieder nachwachsen. Ein wichtiger Aspekt für die Nachhaltigkeit. Meist sind es mehrere Familien, die sich ein Boot teilen. In früheren Zeiten benötigten die Taucher einen langen Atem. Denn getaucht wurde nur mit einem Gewicht, einem Messer und genügend Luft in den Lungen. Für die Ernte, bis zu dreißig Meter tief, blieb ihnen nur wenige Minuten Zeit. Zum Glück stehen heute moderne Tauchanzüge zur Verfügung. So bleibt mehr Zeit für die ­Ernte und die Schwämme können schonender und nachhaltiger ausgewählt werden.

Wenn sie dann im Bremer Betrieb ankommen, wartet zunächst eine umfassende Behandlung auf die Multitalente. Von Natur aus ist der Schwamm schwarz. Bis er blond, weich und sauber im Badezimmer landet, sind mehrere Prozesse notwendig. Dann werden sie nach Größe, Form und Qualität sortiert. Als Badschwamm oder Peelingschwamm treten sie dann ihre Reise rund um den Globus an. Bei guter Pflege halten sie bis zu einem Jahr. In dieser Zeit sorgen sie sanft und weich für die Haut bei Bädern, Aromatherapien, Massagen oder Peelings.


artifex 01/2026: Wellness - Seite 81