artifex 01/2026: Wellness
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Die Zirbelkiefer_Ihr Duft entspannt
EIN BAUM MIT WOHLTUENDEN EIGENSCHAFTEN: Die Zirbelkiefer
(Foto: © Petra Kroll)
Schneebedeckte Bergkuppen, so weit das Auge reicht, gespickt mit tief verschneiten Bäumen. Schon der extreme Lebensbereich der Zirbelkiefer (Pinus cembra), auch Arve oder Zirbe genannt, deutet auf eine ungewöhnliche Baumart hin. In den Bergen wächst kein Baum höher hinauf als die bis zu 25 Meter hohe Kiefernart. Zwar kann man die säulenförmige Zirbe vereinzelt in den Alpentälern als stattlichen Hausbaum sehen. Doch natürlich wächst sie nur oberhalb von 1.500 Metern. Dort trotzt sie heftigen Stürmen und eisigen Wintern.
Die Kärntner Nockberge ist die Heimat der Zirbe
»Die Zirbe ist die Königin der Alpen«, bekundet Markus Böheim. Er führt durch den Nationalpark Nockberge, der zu den letzten Rückzugsgebieten dieses alpinen Baumes zählt. Während die Zirbe anderswo dem Bergbau zum Opfer fiel, konnte sie hier in den Nockbergen überleben. Knorrig, vom Wind gezeichnet und von Blitzen und Schnee deformiert, sind einige dieser Exemplare älter als 1.000 Jahre. Mit etwas Glück kann man auf einer Wanderung durch den Zirbenwald den scheuen Tannenhäher beobachten. Der Rabenvogel fliegt von Zirbe zu Zirbe, holt die Samen aus den Zapfen und legt Winterdepots im Boden an.
ZirbenDuft entspannt
»Ungefähr fünf Prozent seiner vielen Tausend Verstecke vergisst er oder nutzt sie nicht. Aus ihnen keimt später die Zirbe«, schildert der Naturwart. Lange steht sie als dicht benadelter Busch da. Erst mit 150 bis 200 Jahren hat sie ihre Maximalhöhe erreicht. Ihr wertvolles Holz schätzten die Bergbauern vor allem als Statussymbol, aus dem sie kunstvolle Truhen oder andere Möbel, oft sogar ganze Zimmer, anfertigen ließen – vornehmlich als Mitgift für ihre Töchter. Folgt man der 35 Kilometer langen, kurvenreichen Nockalmstraße in das Naturschutzgebiet, gelangt man zu einer der urigsten Zirbenstuben der Region. Das Karlbad ist ein 300 Jahre altes, traditionelles Bauernbad. Noch immer erhitzt man hier am offenen Feuer Steine, um das Quellwasser für den Badezuber zu erwärmen. In der Zirben-Stube wird bei heimeligem Petroleum-Licht das Essen serviert.
Ein Holz mit besonderen Eigenschaften
Einen solchen holzgetäfelten Raum verstand man nicht nur als Inbegriff der alpenländischen Gemütlichkeit. »Der angenehm würzige Duft der Zirbe sollte auch erhitzte Gemüter im Wirtshaus beruhigen. Und gab es früher Probleme daheim, versammelte sich die ganze Familie im Zirbenzimmer, um miteinander zu reden«, erinnert sich Gotthard Thamer aus dem nahen Bad Kleinkirchheim. Der Landwirt setzte auch beim Ausbau seiner Ferienwohnungen auf das charakterstarke Holz. »Eine Nacht im Zirbenzimmer erspart dem Herzen eine Stunde Arbeit pro Tag«, schwärmt Thamer.
Auch andere Gästevermieter schlossen sich einer örtlichen Initiative an und richteten in ihren Unterkünften ein zertifiziertes, nach Wald duftendes Zirbenzimmer ein – unter anderem mit einer roten Zierleiste. Die Farbe soll an die Zirbenblüte erinnern, aus der später der Zapfen entsteht. »Frisch gepflückt, ist der weiche Zapfen der Hauptbestandteil für den Zirbele, wie bei uns der hausgemachte Zirbenschnaps heißt«, berichtet Karin Schlieber von der Kräuterstube in Millstatt. Sie bietet Kissen, Zirbensäckerl, und für die Liebhaber des harzigen, leicht bitteren Geschmacks, Zirbensirup an.
Matthias Leitgeb von der Hiasl-Alm schwört auch auf die antibakterielle Wirkung des Holzes. »Nach 12 bis 14 Stunden können keine Bakterien mehr auf dem Schneidbrett nachgewiesen werden«, so der Biobauer. Kein Wunder, dass das österreichische Holz noch einen anderen Nebeneffekt zu bieten hat: »In meiner Zirbenstube werden sie von keinem Handy gestört, denn das Holz schirmt auch Elektrosmog ab«, erklärt er.
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