artifex 02/2026: Fernreisen
Vorlesen:
Grönland_Die Magie der Eisberge
Die Magie DER EISBERGE
(Foto: © Marion Schwarzmann)
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MARION SCHWARZMANN
Sie heißen Hans Peter, Sidsel und Aleq und bringen an Bord der MS Fridtjof Nansen den 350 internationalen Passagieren ihre Heimat Grönland näher. Wie lebt es sich auf einer Insel mit der stattlichen Größe von 2.166.086 km², die zu 82 Prozent von Eis überzogen ist und nur an der West- und Südküste besiedelt ist?
Davon werden die drei auf der zweiwöchigen Expeditionsreise mit dem modernen Hybrid-Schiff von der Hauptstadt Nuuk bis hoch in den Norden nach Qaanaaq immer wieder erzählen. Meist am Ende eines erlebnisreichen Tages, an dem sich viele auf einen Entspannungsdrink in der Explorer Lounge zum abendlichen Gespräch versammeln.
Denn das macht die Schiffsreise mit Hurtigruten Expeditions so einzigartig: das Zusammentreffen mit ausgewiesenen Experten, die den weltoffenen, neugierigen Touristen Land und Leute erklären, Tag für Tag das Reiseziel erläutern. Wer mit Travel HX auf Fahrt geht, der sucht nicht nur das Abenteuer und unvergessliche Erlebnisse, der will auch etwas lernen. Dabei lassen Komfort und Kulinarik an Bord keine Wünsche offen.
Diesmal ist das Expeditionsteam besonders stark besetzt: Rund 30 engagierte Männer und Frauen unter der Leitung des erfahrenen, vor Energie sprühenden Norwegers Torstein Gaustad vermitteln ihr Wissen auf gut geplanten Exkursionen an Land und in verständlichen Vorträgen an Bord. Ob Biologe, Geologe, Ornithologe, Kulturhistoriker oder Sportler: Für jeden findet sich das passende Angebot.
Gleich die erste Station, die nach einem Seetag erreicht wird, bietet ein absolutes Highlight: einen Bootsausflug in den atemberaubenden Eisfjord Kangia bei Ilulissat, der drittgrößten Stadt Grönlands. Der 55 Kilometer lange und sieben Meter breite Fjord, der seit 2004 zum Weltnaturerbe der UNESCO zählt, wird von den Eismassen des produktiven Gletschers Sermeq Kujalleq gespeist, der sich – Fotos beweisen es – in den letzten Jahren dramatisch zurückgebildet hat.
Der Bootsführer stellt den Motor ab, und auf einmal hören wir das Blasen eines Buckelwals, der im Nebel langsam näherkommt, erst seinen dunklen Rücken und dann seine wuchtige Schwanzflosse zeigt. Wale sind scheue und geräuschempfindliche Tiere, und wir können uns gar nicht sattsehen an diesem majestätischen Meeressäuger und den mächtigen Eisbergen, die sich wie eine Wand vor uns erheben, in immer neuen Formationen im Dunst auftauchen.
ICEFJORD CENTER IN ILULISSAT
Wer alles übers Eis wissen will, der ist in dem 2021 erbauten Icefjord Center von Ilulissat genau richtig. In dem gelungenen Gebäude aus Holz und Glas, das wie eine Schneeeule seine Flügel ausbreitet, wird in großen Bilderbuchmappen die Geschichte der Tiere, der Bevölkerung und der Gletscher auf Grönland erzählt. Unbedingt sehenswert: ein sieben Minuten langer 3-D-Film über die Reise des Schnees und eine Reportage über die Forschungsstation hoch oben im Norden. Vom Icefjord Center führt ein langer Holzsteg zu einem spektakulären Aussichtspunkt über den Eisfjord Kangia.
Ein Meer ohne Eisberge ist kein Meer, findet Hans Peter, der in Ilulissat aufgewachsen ist. »Sonst würde ich denken, ich bin in Spanien«, erzählt er am Abend in der Explorer Lounge. Die Eisberge sind seine Heimat, und es beunruhigt ihn, dass sie während der vergangenen 20 Jahre kleiner geworden sind. Als Kind schon habe er mit seinen Stofftieren Hundeschlitten gespielt, und er freue sich, dass sein Freund Henrik, ein junger Fischer, in diesem Jahr das grönländische Schlittenhunderennen gewonnen hat.
Nächster Halt Uummannaq: Es ist grau und regnerisch an diesem Tag bei sechs Grad, einer durchaus üblichen Temperatur im Sommer. Vormittags hat uns der Ornithologe Simon noch in die Vogelwelt Grönlands eingeführt, die rund 50 Arten kennt. Papageientaucher wie auf Island sucht man hier vergebens. Dafür gibt es den schwarzweißen Krabbentaucher, von dem Millionen in Kolonien in Nordgrönland leben.
Wir haben Glück: Am Nachmittag reißt der Himmel auf und alle können bequem aus den Zodiacs, die uns vom Schiff an Land tendern, auf einem Holzsteg aussteigen. Das ist nicht immer der Fall, denn bei Naturanlandungen sind Gummistiefel Pflicht, um keine nassen Füße zu bekommen. Die Sonne taucht das Bilderbuchörtchen mit der einzigen Steinkirche Grönlands in ein sanftes Licht. Übrigens hat der Weihnachtsmann in Uummannaq einen großen roten Briefkasten aufgestellt. Wer dachte, der stammt aus Finnland, irrt. Natürlich kommt er aus Grönland!
TROMMELTÄNZE IN QAANAAQ
Weiter geht die Fahrt Richtung Norden in die Thule-Region. Hier unterhalten die Amerikaner seit 1953 eine Airbase und sorgten dafür, dass ein ganzes Dorf umziehen musste. Deshalb wirkt Qaanaaq mit seinen bunten Holzhäusern wie auf dem Reißbrett entworfen. Rund 600 Menschen wohnen in der nördlichsten Siedlung Grönlands, und der ganze Ort ist auf den Beinen, um den seltenen Besuchern seine Kultur näherzubringen. In der Sporthalle führt ein altes Paar, das bis vor Kurzem noch in einem Fjord als Jäger gelebt hat, berührende Trommeltänze auf.
Auch Eqilana hat sich erst 2019 in Qaanaaq niedergelassen und wirkt als Pfarrerin der evangelischen Gemeinde. Sie hatte vor ein paar Tagen eine Taufe und zwei Jugendliche wurden konfirmiert, erzählt die 63-Jährige, als wir sie zu sechst auf einen Kaffee in ihrem bescheidenen Haus besuchen dürfen. Sie kümmert sich auch um Kranke. Schwangere werden rund vier Wochen vor der Geburt nach Ilulissat geflogen. Die ärztliche Versorgung ist kostenlos.
Natürlich kennen wir auch Pizza, lacht die freundliche Frau. Zweimal im Jahr kommt das Versorgungsschiff vorbei, das letzte Mal am 14. Juli. Dann heißt es, Wintervorräte anlegen. Dabei ist die Jagd auch heute noch unverzichtbar. Wenn Aleq, der aus Qaanaaq stammt, an Bord davon erzählt, hängen alle an seinen Lippen. Er ist ein Meister der Geräusche, kann Tiere imitieren und schimpft auf Kunststoffkajaks: »Die sind viel zu laut.« Schon als Kind nahm ihn sein Onkel mit auf die Robbenjagd und zeigte ihm, wie man ein Walross harpuniert. Ob Rentier oder Moschusochse: Es wird nur so viel erlegt, wie eine Familie und ihre Schlittenhunde zum Überleben brauchen. »Wir sind glücklich, wenn die Hunde glücklich sind«, meint Aleq.
Ganz ohne Hunde musste Ursula Giger aus der Schweiz 2016 bei ihrer Expedition von Ost- nach Westgrönland klarkommen. Sie zog ihr 80 kg schweres Gepäck auf dem Schlitten hinter sich her. Zusammen mit vier Gleichgesinnten ging sie vier Wochen auf den Spuren von Fridtjof Nansen übers Eis, der 1888 als Erster auf Langlaufskiern Grönland durchquerte. Die faszinierenden Fotos, die Ursula während ihres spannenden Vortrags präsentiert, spiegeln sowohl die Strapazen als auch die unbändige Freude über das Erreichte wider.
MIT DEM FUSS AUF ARKTISCHEM BODEN
Seit Tagen meint der Wettergott es gut, und Kapitän Terje Willassen hat sich entschlossen, die Eiskante der Arktis anzusteuern. Bei Etah geht es in wasserdichter Kleidung zu zehnt in die schwarzen Schlauchboote, und die Gruppe genießt das Cruisen in der Stille und Einsamkeit des Fjordes. Moosbewachsende Hänge, an denen Moschusochsen grasen. Jemand hat einen Polarfuchs mit dem Fernglas entdeckt, und Scharen von Krabbentauchern schwingen sich unüberhörbar in die Luft.
Von der grandiosen Schönheit der unberührten Natur berauscht wieder an Bord, fängt die Schiffskamera sogar noch eine Polarbärin mit zwei Jungen ein. Und wem das noch nicht genügt, der darf auch selbst einen Fuß auf das arktische Eis setzen. Erst zum zweiten Mal, wie der erfahrene Kapitän aus Norwegen später bekennt, sei ihm eine Eisanlandung geglückt.
Service Grönland
Anreise
Der Flug von Deutschland geht zuerst nach Kopenhagen, von dort direkt mit Air Greenland in 4 Stunden und 50 Minuten zum neuen Flughafen von Nuuk. Die Zeitverschiebung beträgt minus drei Stunden.
Reisezeit: Die Hauptsaison läuft von Juni bis September. Im Sommer werden selten Temperaturen von mehr als zehn Grad erreicht.
Währung: Da Grönland zum Königreich Dänemark gehört, ist die Währung die dänische Krone.
Schiffsreise
Start- und Zielpunkt der zweiwöchigen Fahrt mit der MS Fridtjof Nansen ist der Hafen von Nuuk. Die im Artikel beschriebene Expeditionsreise wird 2026 an drei Terminen im Juli angeboten: Große Grönland-Kreuzfahrt: Mythische Länder des Nordens 2026
travelhx.com/de
All-inclusive
Bei dieser Reise wird Travel HX erneut mit grönländischen Spitzenköchen zusammenarbeiten, die den Passagieren typische Gerichte ihrer Heimat servieren. Zahlreiche weitere Leistungen sind ebenfalls inkludiert: All-Inclusive-Expeditionsreisen
travelhx.com/de
Literaturtipp
Sabine Barth, die auf dem Schiff kompetente Vorträge zur Geschichte Grönlands hält, hat einen aktuellen Reiseführer über Grönland geschrieben, der beim DuMont Verlag erschienen ist.
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