artifex 03/2026: Naturismus
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Zwischen Sport und FKK
DEUTSCHER VERBAND für Freikörperkultur
(Foto: © DFK)
Natürlich waren es Herren: Erhard Wächtler, Werner Schenker und Joseph Christiani waren die drei zentralen Figuren, als es um die Gründung des Deutschen Verbands für Freikörperkultur ging, am 6. November 1949 in Kassel. Nur wenige Monate später, gleich im nächsten Jahr, erfolgte die Verankerung der Förderung des Sports in der Satzung. »Sport ist nur ein Teilbereich vom Wesen und Wollen der deutschen Freikörperkulturbewegung, er gehört aber untrennbar dazu und ist aus unserer Zielsetzung als Beitrag zur körperlichen Gesundung unseres Volkes nicht wegzudenken«, begründete Wächtler 1958 als erster DFK-Vorsitzende die Festschreibung. Fünf Jahre später, 1963, schloss sich der Verband dem Deutschen Sportbund (DSB) an (heute Deutscher Olympischer Sportbund (DOSB)).
An der Wichtigkeit des Sports hat sich bis heute nichts geändert. »Der Zweck des DFK ist der überregionale Zusammenschluss von Landesverbänden und Vereinen, die planmäßiges Ausüben von Familien-, Breiten-, Wettkampf- und Leistungssport im Sinne der Freikörperkultur durchführen und fördern«, fasst Alfred Sigloch, Präsident des DFK, zusammen. Das hängt nicht nur mit den unbestrittenen gesundheitlichen Aspekten des Sports zusammen, sondern hat auch einen wichtigen finanziellen Hintergrund: Sportvereine genießen großzügige Zuwendungen und steuerliche Vorteile, die sofort wegfallen, lässt es ein Verein an sportlichem Engagement fehlen. Fast 400 Millionen Euro sollen im laufenden Jahr in die Sportvereine aus Mitteln von Bund und Ländern fließen, hinzu kommen weitere Investitionen in den Bau und Sanierung von Hallen und Geländen – Gelder, die dringend in den Vereinen gebraucht werden.
Denn sie fließen in die Förderung von Projekten. Beim DFK zählen Projekte und Maßnahmen zur Weiterentwicklung des Sports in den Vereinen und Gemeinschaften dazu. »Das sind unter anderem innovative Trainingsangebote, sportliche Veranstaltungen, Maßnahmen zur Nachwuchsgewinnung und der Vereinsentwicklung«, so Sigloch. Voraussetzung ist allerdings, dass die Vereine einen Eigenanteil leisten. Dann kann der Verband maximal 50 Prozent der Gesamtkosten oder 1.000 Euro pro Projekt dazu schießen.
Davon profitieren derzeit die 125 Vereine und Institutionen wie GetNakedGermany oder die fkk.jugend, die der Verband auf seiner Webseite unter dem Reiter „Vereine“ aufgelistet hat. Deren Gesamtmitgliederzahl liegt nach eigenen Angaben bei 35.000 Mitgliedern, der letzte offizielle Stand Ende 2024 listet knapp 30.000 auf. Allerdings gab es auch schon bessere Zeiten. 2010 etwa lagen die Mitgliederzahlen bei 40.000, fielen bis 2018 auf 32.000, seitdem gehen die Zahlen wieder nach oben.
Ein wichtiger Augenmerk liegt daher auf der Nachwuchsgewinnung. Denn tatsächlich haben die Vereinsstrukturen ein Problem: Das Durchschnittsalter in den Vereinen ist hoch, mehr als 50 Prozent der Mitglieder gehören zu der Generation 60+. Das Problem: Die oft von beruflichen Pflichten befreiten Mitglieder haben zwar Zeit für das ehrenamtliche Engagement im Verein, aber oft mangelt es an Ideen oder der Bereitschaft, Neues zuzulassen.
Das gilt insbesondere für die Kommunikation, auch wenn der Verband die Sozialen Medien für sich entdeckt hat. Er steht – wie alle anderen – vor dem Problem, dass sie mit einer Lebenseinstellung aufwarten, die bei einer visuellen Präsentation automatisch der Zensurschere zum Opfer fallen und hat zugleich keine Protagonisten, die jüngere Menschen ansprechen. »Wir wissen, dass wir da Nachholbedarf haben«, sagt Sigloch, wobei sich innerhalb des DFK auch die eigenständige FKK-Jugend um die Ansprache des Nachwuchses bemüht.
Entscheidend ist daher die Vernetzung – und die hat der Verband schon zu Gründungszeiten vor allem auf internationaler Ebene vorangetrieben. Schon 1951 reisten Vertreter nach London, um an der erster Internationalen Naturistentagung teilzunehmen – ein wichtiger Schritt, dem auch schnell der Beitritt zur INF-INI, der Internationalen Naturisten Föderation, folgte. SBU
dfk.org
Das Leitbild des DFK
Der DFK steht für eine Lebensweise im Einklang mit der Natur, geprägt von Gemeinschaft, Respekt und Offenheit. Naturismus ist für uns mehr als Nacktheit – er ist Ausdruck von Freiheit, Toleranz und gegenseitiger Achtung. Mit diesem Leitbild fördern wir den Sport, setzen uns für ein faires Miteinander ein und schaffen Räume, in denen alle Menschen willkommen sind, unabhängig von Herkunft, Alter oder Geschlecht. Gemeinsam mit unseren Vereinen und Landesverbänden leben wir diese Werte und stärken den Naturismus sowohl in Deutschland als auch international.
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