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Eine Erfolgsstory

CAMPING boomt weiter

Mehr als 44,7 Millionen Übernachtungen weist die Statistik für das Camping 2025 auf – Rekord und liegen um ein Viertel höher als zur Vor-Coronazeit. Nur knapp 6,5 Prozent der Plätze bieten FKK-Camping an.

Die Emotionen kochten im Februar 2026 hoch: Da gab der neue Besitzer des Nordsee Campingplatz Hooksiel, die Überland-Gruppe, bekannt, dass ab 2027 der FKK-Teil geschlossen werden soll. „Hooksiel-Life“ titelte gleich von geschockten FKK-Campern, die sich dann ein neues Zuhause suchen müssten. Der Haken: Hooksiel war der letzte verbliebene Nordsee-Campingplatz, der beim alten Betreiber, der Wangerland Touristik GmbH, unter seinen rund 1.500 Stellplätzen auch ein Nacktcamper-Areal ausgewiesen hatte. »Die Nachfrage für FKK-Camping ist gering – von den 412 Stellplätzen sind lediglich 125 an Saisoncamper vergeben (30 Prozent); auch die touristische Auslastung ist nicht ausreichend«, teilt Team Überland auf Anfrage mit. »Im Ergebnis ist das FKK-Camping damit wirtschaftlich nicht tragbar.« Tatsache ist: Preise sind für FKK- und Textilcamper identisch, aber die Nachfrage für den FKK-Bereich war einfach zu gering.

In Deutschland gibt es derzeit rund 3.100 Campingplätze, davon bieten geschätzte 200 Plätze auch FKK an, knapp 6,5 Prozent. „Insofern ist das eine relevante Anzahl, aber dennoch eine Minderheit“, wertet Uwe Frers, Geschäftsführer von PiNCAMP, dem Camping-Portal des ADAC. Er sieht die Branche im Umbruch: »Bedingt durch Generationswechsel, notwendige Modernisierungen in Infrastruktur und Digitalisierung sowie die Veränderung der Zielgruppen verändern sich Konzepte und Eigentümerstrukturen«, so der Camping-Experte. »Dies kann auch Auswirkungen auf das Angebot von FKK-Möglichkeiten haben.«

Unbestritten ist der Boom in Sachen Camping. Mit mehr als 44,7 Millionen Übernachtungen hat die Branche einen neuen Rekord erzielt. Die Zahl liegt um rund ein Viertel höher als die Vergleichszahlen aus der Vor-Coronazeit, in der das Camping schon einen echten Boom erlebte. In konkreten Zahlen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) sieht das so aus: 2025 gab es 4,2 Prozent mehr Camping-Übernachtungen als 2024; da waren es 42,9 Millionen. Verglichen mit 2019, dem Jahr vor der Pandemie, waren es gleich 24,9 Prozent mehr, damals gab es »nur« 35,8 Millionen Übernachtungen.

Dabei gibt es eine interessante Zweiteilung. Geht um deutsche Camper, steuern diese am liebsten Schleswig-Holstein an. Anders ist es bei den ausländischen Gästen: Sie bevorzugen den Schwarzwald.  In Zahlen sieht die regionale Verteilung so aus: 2025 verzeichnete die schleswig-holsteinische Ostsee gleich 3,5 Millionen Übernachtungen, darunter 3,4 Millionen von Gästen aus dem Inland. Dahinter der Schwarzwald mit 2,6 Millionen Übernachtungen (davon rund 700.000 von ausländischen Besuchern), die niedersächsische Nordseeküste mit zwei Millionen sowie das Allgäu mit 1,8 Millionen.

Starker Anstieg

Die Inflation machte nicht vor den Übernachtungspreisen der Campingplätze halt. Tatsächlich sind die Preise für Übernachtungen auf Campingplätzen in den vergangenen Jahren stärker gestiegen als Übernachtungspreise insgesamt, meldet Destatis. 2025 waren Übernachtungen auf einem Wohnmobilstellplatz gleich 32,2 Prozent teurer als im ersten Pandemiejahr 2020. Etwas moderater fiel der Preisanstieg bei der Campingplatzgebühr mit einem Plus von 28,7 Prozent gegenüber 2020 aus. Verglichen nur mit dem Vorjahr sind die Preise aber nur um sieben Prozent gestiegen.

Trotzdem bleibt Campingurlaub in Deutschland im europäischen Vergleich preiswert, so eine aktuelle PiNCAMP-Analyse. Eine Familie zahlt für einen Campingaufenthalt in der Sommer-Hochsaison durchschnittlich 41 Euro pro Nacht (siehe Grafik). In Thüringen, dem günstigsten Bundesland, kostet eine Übernachtung sogar nur 34 Euro. Damit gehört Deutschland 2026 zu den preiswertesten Campingländern Europas und liegt im Ländervergleich auf Platz drei der günstigsten Reiseziele. Nur noch Norwegen und Schweden sind mit 38 bzw. 40 Euro im Schnitt günstiger, deutlich teurer ist es in Kroatien (73 Euro), Italien (63 Euro) und der Schweiz (61 Euro). Auch im Luxussegment der 5-Sterne-Campingplätze ist Deutschland günstiger als jedes untersuchte Land. »Camping in Deutschland bleibt vergleichsweise günstig – gerade in Zeiten steigender Reisekosten ist das für viele Familien eine attraktive Alternative zu klassischen Urlaubsformen«, sagt Frers. »Besonders in stark nachgefragten Mittelmeerländern trifft eine hohe internationale Nachfrage auf begrenzte Kapazitäten – entsprechend höher ist dort das Preisniveau.«  SBU


artifex 03/2026: Naturismus - Seite 43