Handwerkskammer Rheinhessen 19/22
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INTERVIEW
Ausbildung als sichere Basis für die weitere Karriere
Das Beraterteam der Handwerkskammer Rheinhessen auf der Horizon in Mainz. (Foto: © Handwerkskammer Rheinhessen)
Auf der Horizon konnten die Ausbildungsberater Abiturienten und Studienaussteiger erreichen.
Mit einem dreiköpfigen Team war die Ausbildungsabteilung der Handwerkskammer Rheinhessen auf der Berufsorientierungsmesse „Horizon“ Anfang November in Mainz vertreten. Sebastian Dörre, ein SHK-Azubi im zweiten Lehrjahr und Ausbildungsbotschafter der Handwerkskammer, unterstützte das Team dabei, Gymnasiasten, Abiturienten und wechselwillige Studierende von einer „Karriere mit Lehre“ zu überzeugen. Matthias Kafitz, Leiter der Ausbildungsabteilung der Handwerkskammer, sprach mit dem DHB über den Messeauftritt und über die Chancen von Abiturienten und Studienaussteigern im Handwerk.
DHB: Herr Kafitz, hat es sich gelohnt, auf der Horizon präsent zu sein?
Kafitz: Wir waren mit dem Anklang der Horizon sehr zufrieden. In der ersten Stunde erfuhren wir einen geballten Andrang, danach einen schönen, permanenten Fluss von Interessierten. Es war schön, dass viele Jugendliche mit ihren Eltern da waren. Für das Handwerk haben sich erfreulich viele Mädchen und junge Frauen interessiert. Aber auch insgesamt hatten wir in diesem Jahr eine sehr große Nachfrage.
DHB: Die Horizon richtet sich traditionell an Abiturienten, Studenten und Studienaussteiger. Wie lohnend ist es für Sie, hier vor Ort zu sein?
Kafitz: Das ist in jedem Fall eine wichtige Zielgruppe für das Handwerk. Viele Abiturienten studieren, weil man das mit ihrem schulischen Werdegang einfach macht, oder es zum Beispiel den Erwartungen der Eltern entspricht. Oftmals wissen Sie noch gar nicht, wo die Reise überhaupt hingehen soll. Das heißt, sie machen das Abi, ohne zu wissen, welche Möglichkeiten es zum Beispiel durch eine duale Ausbildung sonst noch gibt. Deshalb sind wir seit Jahren bemüht, auch in den Gymnasien Berufsorientierung anzubieten. Aber noch nicht jedes Gymnasium öffnet sich für das Handwerk. Von daher nutzen wir Messen wie die Horizon, um die Jugendlichen zu informieren und ihnen weitere Möglichkeiten aufzuzeigen. Und ja, wir brauchen Abiturienten. Viele Berufsfelder im Handwerk haben sich in den letzten Jahren weiterentwickelt. Die Anforderungen sind gewachsen. Wer heute zum Beispiel im SHK-Bereich Erfolg haben will, muss in Mathe, in Bio, Physik und in Chemie gut sein.
DHB: Aber viele junge Leute wollen nun einmal studieren…
Kafitz: Auch dann kann es sinnvoll sein, vorher eine duale Ausbildung im Handwerk zu machen – zum Beispiel, wenn sie Architektur oder Bauingenieurwesen studieren möchten. Der Vorteil ist, dass sie sich mit einer Ausbildung bereits in der Materie und mit den Baustoffen auskennen, wenn sie ihr Studium beginnen.
DHB: Für welche Gewerke ist es besonders aussichtsreich, unter Abiturienten nach Azubis zu suchen?
Kafitz: Das kann man so nicht sagen. Wir haben positive Beispiele aus allen Gewerken – ob das Elektriker, Tischler oder Konditoren sind. Man kann nicht sagen, das eine Gewerk ist für Abiturienten gut, das andere nicht. Es kommt immer ganz auf die Interessen der jungen Menschen an. Wenn wir von der Handwerkskammer einen Abiturienten beraten, fragen wir natürlich die persönlichen Interessen ab. Aber wir beraten grundsätzlich über das ganze Spektrum der Handwerksberufe. Umgekehrt kann es sich auch für jeden Betrieb lohnen, sich für alle Bewerberinnen und Bewerber zu öffnen.
DHB: Erfährt die Ausbildung im Handwerk wieder eine höhere Anerkennung?
Kafitz: Zum Teil. Wir bekommen mehr Anfragen aus Schulen, die Informationen zur Ausbildung im Handwerk für ihre Schüler wünschen. Aber wir müssen auch die Eltern ins Boot bekommen, damit die oder der Jugendliche nach der Entscheidung für eine Ausbildung auch die nötige Unterstützung aus dem Elternhaus erfährt. Die Einstellung „Studier‘ mal, dann hast du es mal besser als wir“ ist noch in vielen Köpfen verhaftet. Das ist eine Hürde, die noch genommen werden muss.
DHB: Sie hatten erwähnt, dass auf der Horizon viele Jugendliche mit ihren Eltern vor Ort waren. Waren diese Eltern aufgeschlossen oder haben die nur darauf gewartet, zum nächsten Stand weitergehen zu können?
Kafitz: Doch, die Eltern auf der Messe waren interessiert und auch überrascht, welche Möglichkeiten es im Handwerk gibt. Die meisten Eltern verfügen über zu wenige Informationen, was im Handwerk möglich ist – zum Beispiel in Sachen Verdienstmöglichkeiten und berufliche Entwicklung. Gleichzeitig gibt es viele Vorurteile gegenüber dem Handwerk. Aber im Gespräch gelingt es uns fast immer, zu informieren und so diese Vorurteile zu nehmen.
DHB: Mit welchen Argumenten können Sie überzeugen?
Kafitz: Die Jugendlichen reagieren gut auf das Argument, dass eine Ausbildung einen soliden Grundstein für den weiteren Lebensweg bietet. Gymnasiasten, die vielleicht ein bisschen auf der Kippe stehen, sind meist sehr interessiert zu hören, dass eine erfolgreich abgeschlossene Ausbildung ebenfalls den Weg zu einem Studium öffnen kann. Die Idee der Ausbildung als sichere Basis für die weitere Karriere wird sehr gut aufgenommen – auch von den Eltern.
DAS INTERVIEW FÜHRTE ANDREAS SCHRÖDER
Handwerkskammer Rheinhessen 19/22 - Seite 14