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Bath_Grafschaft Somerset im Südwesten Englands

AUF DEN SPUREN von Jane Austen

In schmalen Gassen liegen reizende kleine Geschäfte, Restaurants und Cafés. In »Sally Lunn’s Tearoom« etwa ist seit über 100 Jahren ein luftiges Hefegebäck die Spezialität.

Wer die Schriftstellerin Jane Austen mag, sollte sich einen Besuch in Bath nicht entgehen lassen. Fernab vom hektischen London geht es in der Stadt im Südwesten Englands beschaulicher zu.

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Petra KrolL

Foto: © Manfred Daams/Produktion: Petra KrollFoto: © Manfred Daams/Produktion: Petra Kroll

Der Mann sieht aus wie ein Relikt aus längst vergangenen Tagen. Mit Backenbart, Stiefeln, Gehrock, Zylinder und Jabot (einem aus Spitze gearbeiteten Lätzchen) ist Martin Salter das Gesicht des Jane-Austen-Zentrums und damit einer der meistfotografierten Menschen in Bath. Seit über zehn Jahren steht er am Eingang des Museums in der Gay Street, begrüßt stolz die Besucher und geht dabei ganz in seiner Rolle als Mr. Bennet auf: In Jane Austens Roman »Stolz und Vorurteil« repräsentiert er den Vater von fünf unverheirateten Töchtern, womit ihm von der Autorin kein einfaches Los beschieden war. Denn seinerzeit garantierte nur eine standesgemäße Ehe den Frauen Auskommen und gesellschaftlichen Rang.

Foto: © Manfred Daams/Produktion: Petra KrollFoto: © Manfred Daams/Produktion: Petra Kroll

Jane Austen (1775–1817) aber heiratete nie. 1797 kam sie zum ersten Mal mit ihren Eltern und ihrer Schwester nach Bath, um hier, wie viele andere junge Frauen auch, nach einem passenden Heiratskandidaten Ausschau zu halten. »Wie erhofft erhielt sie einen Antrag, den sie aber am nächsten Tag wieder löste. Ich denke, sie wollte nicht wegen des Geldes heiraten, sondern aus Liebe«, erläutert eine Dame mit Spitzenhäubchen im Museum. Ferner erzählt ein Film über Janes Leben. Und Manuskripte, ein zierliches Schreibpult und ein altertümliches Hutmodengeschäft lassen Austens Welt ebenfalls wieder lebendig werden. Zu Bath, der Unesco-Welterbe-Stadt mit ihrer prachtvollen georgianischen Architektur, hatte die renitente Tochter eines braven Landpfarrers ein eher ambivalentes Verhältnis. Für die junge Jane überwogen die Vorteile des städtischen Lebens mit seinen Bällen und den vielen Geschäften, das Publikum aber mochte sie nicht. »Es gab zweifellos eine erschreckende Anzahl von hässlichen Frauen in Bath. Und erst die Männer! Die Straßen wimmelten von Vogelscheuchen«, zog sie mit spitzer Feder über die Bewohner her.

Mondänes Kurbad

»ES GAB ZWEIFELLOS EINE ERSCHRECKENDE ANZAHL VON HÄSSLICHEN FRAUEN IN BATH. UND ERST DIE MÄNNER!« JANE AUSTEN Foto: © Manfred Daams/Produktion: Petra Kroll»ES GAB ZWEIFELLOS EINE ERSCHRECKENDE ANZAHL VON HÄSSLICHEN FRAUEN IN BATH. UND ERST DIE MÄNNER!« JANE AUSTEN Foto: © Manfred Daams/Produktion: Petra Kroll

Die Stadt hat ihr längst verziehen. Man könnte sogar sagen, der Ort ist zum Zentrum eines romantischen Personenkultes geworden: Überall, auch außerhalb des Museums, trifft man auf Janes Verehrerinnen, die, unverkennbar an ihrer Lektüre, oft sogar in Regency-Kostümen durch die Straßen ziehen. Mit rund 5.000 denkmalgeschützten Gebäuden wirken diese auch ohne Komparsen herausgeputzt wie für einen Historienfilm. Im 18. Jahrhundert stieg die Stadt am Avon dank ihres Heilwassers zu einem mondänen Kurbad auf. Noch immer sprudeln die einzigen heißen Thermalquellen Großbritanniens mit ungebändigter Kraft aus der Tiefe. Bei einer konstanten Temperatur von 46 Grad sollen es täglich rund 1,1 Millionen Liter sein. Die Wohltat des warmen, heilsamen Wassers wussten schon die Römer zu schätzen. Sie bauten eine aufwendige Badeanstalt über den Quellen, die 1889 wiederentdeckt wurde und heute gegenüber der Kathedrale Bath Abbey zu bewundern ist. Nur an manchen Tagen hüllen sich die antiken Becken des Römischen Bades in den Dunst des aufsteigenden warmen Wassers. Baden kann man hier aus hygienischen Gründen zwar nicht mehr. Doch nebenan im Kurhaus ist noch die Zapfanlage in Betrieb. Zu den bekanntesten Kurenden, die hier im Pumpraum das gesundheitsfördernde Wasser tranken, gehörte auch der Schriftsteller Charles Dickens. Das äußerst mineralhaltige Getränk erinnerte ihn jedoch an den »starken Geschmack nach warmem Bügeleisenwasser«.

Heutzutage kann man sich diesen »Gaumenschmeichler« mit Erdbeerscones und Clotted Cream zum Nachmittagstee versüßen. Die einst leere Brunnenhalle, in der früher die Celebrity mit einem Glas Wasser in der Hand auf- und abflanierte, beherbergt inzwischen ein Restaurant.

Sehen und gesehen werden, lautet das Motto. War früher das Kurhaus DER Treffpunkt, verabredet man sich heute auch mal im Swingkleid zum Kaffee. Foto: © Manfred Daams/Produktion: Petra KrollSehen und gesehen werden, lautet das Motto. War früher das Kurhaus DER Treffpunkt, verabredet man sich heute auch mal im Swingkleid zum Kaffee. Foto: © Manfred Daams/Produktion: Petra Kroll

Foto: © Manfred Daams/Produktion: Petra KrollFoto: © Manfred Daams/Produktion: Petra Kroll

»Sehen und gesehen werden« lautet hier aber noch immer die Devise. Überhaupt wurde der Aufenthalt in Bath mehr von dem gesellschaftlichen Leben und weniger durch den gesundheitlichen Fortschritt geprägt. Zu den elegantesten Ballsälen ihrer Zeit zählten die Assembly Rooms. Wo die Upperclass einst das Tanzbein schwang, ist heute eine Etage tiefer, das Fashion Museum eingezogen. Zu einer der größten Sammlungen historischer Mode weltweit gehört auch eine Reihe von Fischbeinkorsetts, von denen sicher manches gute Stück für einen Ohnmachtsanfall bei seiner Trägerin auf dem Tanzboden sorgte. Nicht weit vom Fashion Museum entfernt, liegt der Circus mit seinen luxuriösen Reihenhäusern. John Wood der Ältere plante ihn in Anlehnung an das Colosseum in Rom. Er wollte der Stadt ein antikes Aussehen verleihen. Als er 1754 starb, setzte sein Sohn, John Wood der Jüngere, das Erbe des Vaters fort: Mit dem Wohnkomplex am halbmondförmigen Royal Crescent entstand eine der berühmtesten Flaniermeilen und nobelsten Adressen der Stadt. Wie gut sich Shopping mit Sightseeing in Bath verbinden lassen, belegt die Pulteney Bridge. Ähnlich wie auf der Ponte Vecchio in Florenz reihen sich lückenlos kleine Geschäfte auf beiden Seiten dieser einzigartigen Segmentbrücke. Und für fußmüde Passanten stehen hier am Fluss Avon sogar mehrere Liegestühle bereit.

THE JANE AUSTEN CENTRE

Kaum eine andere Autorin verstand es, die Atmosphäre des 18. Jahrhunderts so treffend wiederzugeben wie Jane Austen, der eine schöne Ausstellung gewidmet ist. Im „Jane Austen Centre“ beantworten historisch gewandete Darsteller Fragen zu ihren Romanen und dem Leben in der Regency-Ära. Wer will, kann sich hier selbst kostümieren und sich auf diese Weise der Autorin nähern.
40 Gay St, Bath BA1 2NT

Telefon 00 44/12 25/44 30 00
janeausten.co.uk

SHOPPEN? Mit Vergnügen! 
Foto: © Manfred Daams/Produktion: Petra KrollFoto: © Manfred Daams/Produktion: Petra KrollFoto: © Manfred Daams/Produktion: Petra KrollFoto: © Manfred Daams/Produktion: Petra Kroll

FUDGE KITCHEN
Wer sich von seiner Nase führen lässt, ­landet unweigerlich in diesem süßen Paradies. Zugegeben, das handgemachte Weichkaramell, angereichert mit Nüssen, Beeren und Schokolade, ist nicht gerade kalorienarm. Doch der Einladung zu einer Kostprobe der noch warmen Masse kann man wohl schwer widerstehen.


10 Abbey Churchyard, City Centre, 
Bath BA1 1LY, T 00 44/12 25/46 22 77
fudgekitchen.co.uk

 

ARTICLE BATH

Foto: © Manfred Daams/Produktion: Petra KrollFoto: © Manfred Daams/Produktion: Petra KrollFoto: © Manfred Daams/Produktion: Petra KrollFoto: © Manfred Daams/Produktion: Petra Kroll

Die Palette, die Lucy Simon in ihrem bezaubernden Blumengeschäft anbietet, ist reichhaltig und umfasst auch handgesiedete Seifen, Grußkarten und Keramik.
Alles »made in England«.

2QZ, 3 Bartlett Street, Bath BA1,
T 00 44/1225/46 01 89


 

 

 

THE FIG STORE

Foto: © Manfred Daams/Produktion: Petra KrollFoto: © Manfred Daams/Produktion: Petra KrollFoto: © Manfred Daams/Produktion: Petra KrollFoto: © Manfred Daams/Produktion: Petra Kroll

Dieser Concept Store der Designerin und ­Inhaberin Madi Loker ist ein zauberhafter Ort im Zentrum von Bath – eine Oase der Ruhe im bisweilen hektischen Einkaufstrubel der Stadt. »The Fig Store« bietet auch Pflanzen und Accessoires für den Garten an. Gärtner Simon Harrison verwandelt den Innenhof in ein ­grünes Refugium.



76 Walcot St, Bath BA1 5BD,
T 00 44/12 25/42 80 31
thefigstore.com

PAXTON AND WHITFIELD

Foto: © Manfred Daams/Produktion: Petra KrollFoto: © Manfred Daams/Produktion: Petra KrollFoto: © Manfred Daams/Produktion: Petra KrollFoto: © Manfred Daams/Produktion: Petra Kroll

Selbsterklärende Namen vereinfachen oft das Leben: So ist der Stinking Bishop (­Stinkender Bischof) aufgrund seines intensiven Geruchs sicher nur ein Käse für ­Liebhaber. Im Angebot des Londoner Händlers finden sich aber auch harmlose Klassiker, wie der populäre Cheddar aus dem gleichnamigen Dorf bei Bath.



1 John St, Bath BA1 2JL,
T 00 44/12 25/46 64 03
paxtonandwhitfield.co.uk

AVENIDA HOME

Foto: © Manfred Daams/Produktion: Petra KrollFoto: © Manfred Daams/Produktion: Petra KrollFoto: © Manfred Daams/Produktion: Petra KrollFoto: © Manfred Daams/Produktion: Petra Kroll

Was nützt das köstlichste Gericht, wenn die Dekoration nicht stimmt? Lebhafte Muster und fantastische Motive, wie aus »Alice im Wunderland« von Lewis Carroll, zieren die Homeware von Isabel Saiz. Unter dem Namen »Avenida Home« hat sie ein unverwechselbares Design für einen schön gedeckten Tisch geschaffen, an dem man sich garantiert nicht sattsehen wird.

27 Walcot St, Bath BA1 5BN,
T 00 44/12 25/ 57 17 18
avenidahome.com

THE LOOKING GLASS OF BATH

Foto: © Manfred Daams/Produktion: Petra KrollFoto: © Manfred Daams/Produktion: Petra KrollFoto: © Manfred Daams/Produktion: Petra KrollFoto: © Manfred Daams/Produktion: Petra Kroll

Spieglein, Spieglein an der Wand, welches Auto ist das schönste im Land? Anthony Reed träumte schon als Kind davon, wie Mr. Toad im Bilderbuchklassiker »Der Wind in den Weiden« einen alten Bentley zu fahren. Heute nutzt der Vergolder und Einrahmer den Oldtimer zur Freude seiner Kunden auch schon mal für den Transport seiner Arbeiten. In seiner Werkstatt lässt es sich herrlich stöbern.


94 Walcot St, Bath BA1 5BG,
T 00 44/12 25/46 19 69

Die Stadt besitzt viele öffentliche Gärten, die während des Kurbetriebs Mitte des 18. Jahrhunderts entstanden sind. Der größte unter ihnen ist der Royal Victoria Park am Royal Crescent. Die Pulteney Bridge hingegen lässt sich am besten von den Parade Gardens aus bewundern. Der kleine Park liegt direkt am Fluss Avon und hält für müde Spaziergänger Liegestühle bereit. Foto: © Manfred Daams/Produktion: Petra KrollDie Stadt besitzt viele öffentliche Gärten, die während des Kurbetriebs Mitte des 18. Jahrhunderts entstanden sind. Der größte unter ihnen ist der Royal Victoria Park am Royal Crescent. Die Pulteney Bridge hingegen lässt sich am besten von den Parade Gardens aus bewundern. Der kleine Park liegt direkt am Fluss Avon und hält für müde Spaziergänger Liegestühle bereit. Foto: © Manfred Daams/Produktion: Petra Kroll

Bildergalerie

AUF DEN SPUREN von Jane Austen

»Die Brunnenhalle beherbergt inzwischen ein Restaurant.« Im Pump Room, der Brunnenhalle des Kurhauses, kann man heute noch das Quellwasser probieren. (Foto: © Manfred Daams/Produktion: Petra Kroll )

AUF DEN SPUREN von Jane Austen

Unter den Kristalllüstern tanzte einst die Upperclass, schlürfte Tee aus feinem Porzellan und verkuppelte ihre Töchter. Was Frau bei diesem Anlass trug, zeigt das Fashion Museum eine Etage tiefer in einer der größten Sammlungen historischer Mode weltweit. (Foto: © Manfred Daams/Produktion: Petra Kroll )

AUF DEN SPUREN von Jane Austen

Nachmittagstee in der Abbey Chambers. (Foto: © Manfred Daams/Produktion: Petra Kroll )

AUF DEN SPUREN von Jane Austen

Nachmittagstee in der Abbey Chambers. (Foto: © Manfred Daams/Produktion: Petra Kroll )

AUF DEN SPUREN von Jane Austen

Wie es sich in wohlhabenden Kreisen früher lebte, erfahren Besucher in dieser Stadtvilla am Royal Crescent. Das erste Haus am Platz ist heute ein Museum. (Foto: © Manfred Daams/Produktion: Petra Kroll )

AUF DEN SPUREN von Jane Austen

Ein überragendes Beispiel georgianischer Baukunst ist der kreisrunde Circus. Architekt John Wood der Ältere (1704–1754) nahm sich für den Bau des Wohnkomplexes das Kolosseum in Rom als Vorbild. (Foto: © Manfred Daams/Produktion: Petra Kroll )

AUF DEN SPUREN von Jane Austen

Das ultraschicke Queenberry Hotel liegt nur wenige Schritte vom Fashion Museum entfernt in einer toprenovierten Villa und verfügt über 29 individuell gestylte Räume. (Foto: © Manfred Daams/Produktion: Petra Kroll )


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