artifex 01/2026: Wellness
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Bath_Grafschaft Somerset im Südwesten Englands
AUF DEN SPUREN von Jane Austen
In schmalen Gassen liegen reizende kleine Geschäfte, Restaurants und Cafés. In »Sally Lunn’s Tearoom« etwa ist seit über 100 Jahren ein luftiges Hefegebäck die Spezialität. (Foto: © Manfred Daams/Produktion: Petra Kroll)
Der Mann sieht aus wie ein Relikt aus längst vergangenen Tagen. Mit Backenbart, Stiefeln, Gehrock, Zylinder und Jabot (einem aus Spitze gearbeiteten Lätzchen) ist Martin Salter das Gesicht des Jane-Austen-Zentrums und damit einer der meistfotografierten Menschen in Bath. Seit über zehn Jahren steht er am Eingang des Museums in der Gay Street, begrüßt stolz die Besucher und geht dabei ganz in seiner Rolle als Mr. Bennet auf: In Jane Austens Roman »Stolz und Vorurteil« repräsentiert er den Vater von fünf unverheirateten Töchtern, womit ihm von der Autorin kein einfaches Los beschieden war. Denn seinerzeit garantierte nur eine standesgemäße Ehe den Frauen Auskommen und gesellschaftlichen Rang.
Jane Austen (1775–1817) aber heiratete nie. 1797 kam sie zum ersten Mal mit ihren Eltern und ihrer Schwester nach Bath, um hier, wie viele andere junge Frauen auch, nach einem passenden Heiratskandidaten Ausschau zu halten. »Wie erhofft erhielt sie einen Antrag, den sie aber am nächsten Tag wieder löste. Ich denke, sie wollte nicht wegen des Geldes heiraten, sondern aus Liebe«, erläutert eine Dame mit Spitzenhäubchen im Museum. Ferner erzählt ein Film über Janes Leben. Und Manuskripte, ein zierliches Schreibpult und ein altertümliches Hutmodengeschäft lassen Austens Welt ebenfalls wieder lebendig werden. Zu Bath, der Unesco-Welterbe-Stadt mit ihrer prachtvollen georgianischen Architektur, hatte die renitente Tochter eines braven Landpfarrers ein eher ambivalentes Verhältnis. Für die junge Jane überwogen die Vorteile des städtischen Lebens mit seinen Bällen und den vielen Geschäften, das Publikum aber mochte sie nicht. »Es gab zweifellos eine erschreckende Anzahl von hässlichen Frauen in Bath. Und erst die Männer! Die Straßen wimmelten von Vogelscheuchen«, zog sie mit spitzer Feder über die Bewohner her.
Mondänes Kurbad
Die Stadt hat ihr längst verziehen. Man könnte sogar sagen, der Ort ist zum Zentrum eines romantischen Personenkultes geworden: Überall, auch außerhalb des Museums, trifft man auf Janes Verehrerinnen, die, unverkennbar an ihrer Lektüre, oft sogar in Regency-Kostümen durch die Straßen ziehen. Mit rund 5.000 denkmalgeschützten Gebäuden wirken diese auch ohne Komparsen herausgeputzt wie für einen Historienfilm. Im 18. Jahrhundert stieg die Stadt am Avon dank ihres Heilwassers zu einem mondänen Kurbad auf. Noch immer sprudeln die einzigen heißen Thermalquellen Großbritanniens mit ungebändigter Kraft aus der Tiefe. Bei einer konstanten Temperatur von 46 Grad sollen es täglich rund 1,1 Millionen Liter sein. Die Wohltat des warmen, heilsamen Wassers wussten schon die Römer zu schätzen. Sie bauten eine aufwendige Badeanstalt über den Quellen, die 1889 wiederentdeckt wurde und heute gegenüber der Kathedrale Bath Abbey zu bewundern ist. Nur an manchen Tagen hüllen sich die antiken Becken des Römischen Bades in den Dunst des aufsteigenden warmen Wassers. Baden kann man hier aus hygienischen Gründen zwar nicht mehr. Doch nebenan im Kurhaus ist noch die Zapfanlage in Betrieb. Zu den bekanntesten Kurenden, die hier im Pumpraum das gesundheitsfördernde Wasser tranken, gehörte auch der Schriftsteller Charles Dickens. Das äußerst mineralhaltige Getränk erinnerte ihn jedoch an den »starken Geschmack nach warmem Bügeleisenwasser«.
Heutzutage kann man sich diesen »Gaumenschmeichler« mit Erdbeerscones und Clotted Cream zum Nachmittagstee versüßen. Die einst leere Brunnenhalle, in der früher die Celebrity mit einem Glas Wasser in der Hand auf- und abflanierte, beherbergt inzwischen ein Restaurant.
»Sehen und gesehen werden« lautet hier aber noch immer die Devise. Überhaupt wurde der Aufenthalt in Bath mehr von dem gesellschaftlichen Leben und weniger durch den gesundheitlichen Fortschritt geprägt. Zu den elegantesten Ballsälen ihrer Zeit zählten die Assembly Rooms. Wo die Upperclass einst das Tanzbein schwang, ist heute eine Etage tiefer, das Fashion Museum eingezogen. Zu einer der größten Sammlungen historischer Mode weltweit gehört auch eine Reihe von Fischbeinkorsetts, von denen sicher manches gute Stück für einen Ohnmachtsanfall bei seiner Trägerin auf dem Tanzboden sorgte. Nicht weit vom Fashion Museum entfernt, liegt der Circus mit seinen luxuriösen Reihenhäusern. John Wood der Ältere plante ihn in Anlehnung an das Colosseum in Rom. Er wollte der Stadt ein antikes Aussehen verleihen. Als er 1754 starb, setzte sein Sohn, John Wood der Jüngere, das Erbe des Vaters fort: Mit dem Wohnkomplex am halbmondförmigen Royal Crescent entstand eine der berühmtesten Flaniermeilen und nobelsten Adressen der Stadt. Wie gut sich Shopping mit Sightseeing in Bath verbinden lassen, belegt die Pulteney Bridge. Ähnlich wie auf der Ponte Vecchio in Florenz reihen sich lückenlos kleine Geschäfte auf beiden Seiten dieser einzigartigen Segmentbrücke. Und für fußmüde Passanten stehen hier am Fluss Avon sogar mehrere Liegestühle bereit.
Kaum eine andere Autorin verstand es, die Atmosphäre des 18. Jahrhunderts so treffend wiederzugeben wie Jane Austen, der eine schöne Ausstellung gewidmet ist. Im „Jane Austen Centre“ beantworten historisch gewandete Darsteller Fragen zu ihren Romanen und dem Leben in der Regency-Ära. Wer will, kann sich hier selbst kostümieren und sich auf diese Weise der Autorin nähern.
40 Gay St, Bath BA1 2NT
Telefon 00 44/12 25/44 30 00
janeausten.co.uk
FUDGE KITCHEN
Wer sich von seiner Nase führen lässt, landet unweigerlich in diesem süßen Paradies. Zugegeben, das handgemachte Weichkaramell, angereichert mit Nüssen, Beeren und Schokolade, ist nicht gerade kalorienarm. Doch der Einladung zu einer Kostprobe der noch warmen Masse kann man wohl schwer widerstehen.
10 Abbey Churchyard, City Centre,
Bath BA1 1LY, T 00 44/12 25/46 22 77
fudgekitchen.co.uk
ARTICLE BATH
Die Palette, die Lucy Simon in ihrem bezaubernden Blumengeschäft anbietet, ist reichhaltig und umfasst auch handgesiedete Seifen, Grußkarten und Keramik.
Alles »made in England«.
2QZ, 3 Bartlett Street, Bath BA1,
T 00 44/1225/46 01 89
THE FIG STORE
Dieser Concept Store der Designerin und Inhaberin Madi Loker ist ein zauberhafter Ort im Zentrum von Bath – eine Oase der Ruhe im bisweilen hektischen Einkaufstrubel der Stadt. »The Fig Store« bietet auch Pflanzen und Accessoires für den Garten an. Gärtner Simon Harrison verwandelt den Innenhof in ein grünes Refugium.
76 Walcot St, Bath BA1 5BD,
T 00 44/12 25/42 80 31
thefigstore.com
PAXTON AND WHITFIELD
Selbsterklärende Namen vereinfachen oft das Leben: So ist der Stinking Bishop (Stinkender Bischof) aufgrund seines intensiven Geruchs sicher nur ein Käse für Liebhaber. Im Angebot des Londoner Händlers finden sich aber auch harmlose Klassiker, wie der populäre Cheddar aus dem gleichnamigen Dorf bei Bath.
1 John St, Bath BA1 2JL,
T 00 44/12 25/46 64 03
paxtonandwhitfield.co.uk
AVENIDA HOME
Was nützt das köstlichste Gericht, wenn die Dekoration nicht stimmt? Lebhafte Muster und fantastische Motive, wie aus »Alice im Wunderland« von Lewis Carroll, zieren die Homeware von Isabel Saiz. Unter dem Namen »Avenida Home« hat sie ein unverwechselbares Design für einen schön gedeckten Tisch geschaffen, an dem man sich garantiert nicht sattsehen wird.
27 Walcot St, Bath BA1 5BN,
T 00 44/12 25/ 57 17 18
avenidahome.com
THE LOOKING GLASS OF BATH
Spieglein, Spieglein an der Wand, welches Auto ist das schönste im Land? Anthony Reed träumte schon als Kind davon, wie Mr. Toad im Bilderbuchklassiker »Der Wind in den Weiden« einen alten Bentley zu fahren. Heute nutzt der Vergolder und Einrahmer den Oldtimer zur Freude seiner Kunden auch schon mal für den Transport seiner Arbeiten. In seiner Werkstatt lässt es sich herrlich stöbern.
94 Walcot St, Bath BA1 5BG,
T 00 44/12 25/46 19 69
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