artifex 03/2022: Gin
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50 GINS IM KURZPORTÄT
(Foto: © Stefan Buhren)
GINS GIBT ES SCHON FAST WIE SAND AM MEER. DER PREIS IST NICHT UNBEDINGT ENTSCHEIDEND, HILFT ABER SCHON, QUALITÄT INS GLAS ZU BRINGEN. AUF DEN FOLGENDEN SEITEN FINDEN SICH 50 GINS MIT KURZBESCHREIBUNGEN ALS ORIENTIERUNG, WAS MAN MAL PROBIEREN SOLLTE.
Einen passenden Gin zu finden, ist schon eine echte Sysiphus-Arbeit. Schließlich gibt es das Wacholderdestillat in allen Formen (von der Flasche her gesehen) und Farben (vom Inhalt her gesehen). Dabei ist selbst in einem klassischen Supermarkt schon eine enorme Bandbreite zu finden, die sich optisch, preislich und geschmacklich völlig unterscheiden. Klar, Qualität hat seinen Preis, doch ist gibt auch in den unteren Preisklassen Gins, die ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis haben. Doch es gilt auch: Keine(r) sollte sich von der Optik oder dem Preis beeindrucken oder beeinflussen lassen. Was zählt, ist der eigene Geschmack. Wer einen günstigenSupermarkt-Gin als das Maß aller Dinge ansieht, hat genauso seine Berechtigung wie die Edelabfüllung in limitierter Auflage, die auch schon mal im dreistelligen Bereich landen kann. Nicht irritieren lassen, der eigene Geschmack entscheidet.
Worauf man aber achten sollte, ist von Anfang an die Ausrichtung des Gins. Es gibt sie von reinem Wacholder über extrem kräuterig und floral bis hin zu würzig und fruchtig-frisch. Welche Richtung ein Gin einschlägt, lässt sich schon anhand der aufgelisteten Botanicals erahnen. Wer Kräuter mag, sollte nicht auf einen Gin mit Südfrüchtearomen zurückgreifen, umgekehrt gilt auch: Wer Früchte mag, sollte die Finger von Kräuter- und Gewürzgins lassen.
Erhebt ein Tasting aber nicht zur Wissenschaft, auch wenn man sich durchaus langsam nähern kann. Zuerst gilt immer ein Blick der Flüssigkeit im Glas. Welche Farbe hat er? Dabei schön kreisen lassen und sehen, wie er den Glasrand innen herabläuft. Dann eine Geruchsprobe. Vor allem im direkten Vergleich zeigen sich schnell Unterschiede, ehe nach und nach die Nase "lernt", einen Geruch ein- und zuzuordnen. Der Mensch hat nämlich ein ausgezeichnetes Geruchsgedächtnis. Jeder verbindet bestimmte Gerüche mit ganz bestimmten Erinnerungen.
Dann gilt es, einen Schluck zu nehmen und zwar soviel, dass man den Gin schön im ganzen Mundraum herumwandern lassen kann. Dabei stets prüfen: Wo entwickelt der Gin seinen Geschmack, wo schmeckt man den Alkohol? Platt formuliert: Brennt der Alkohol im Mundraum? Gar nicht? Und wenn ja: vorne auf der Zunge, an der Seite oder im hinteren Bereich? Wo entwickeln sich die Geschmacksaromen und vor allem, welche? Nach dem Herunterschlucken den Gin noch wirken lassen und den Aromen und dem Alkohol nachspüren. So lässt sich nach und nach erschmecken, wie ein Gin komponiert ist und mit der Zeit entwickelt jeder ein Gespür für den Gin. Das macht Spaß und so mancher kann sein Talent sogar beruflich nutzen (etwa Sommeliere und Parfumeure).
Bei der folgenden Auswahl 50 Gins habe ich mich vom Zufall und meinen persönlichen Erfahrungen leiten lassen. Sie sind als Anregungen zu verstehen, über welche Vielfalt dieses Destillat verfügt, weil jeden Tag mindestens ein neuer Gin erscheint. Allein Köln verfügt über 10 Destillerien, die in der Regel drei bis vier Sorten bieten. Die Gesamtzahl von Ginmarken hat allein in Deutschland die Marke von 1.000 schon längst überschritten. Was auch bedeutet: Die Entdeckungsreise wird nie zu Ende gehen. Auf den nächsten Seiten gibt es Infos über den jeweiligen Gin, die Preise sind als Richtwerte zu verstehen, da es oft Angebote gibt, die günstiger sind. Auch bei und von den Produzenten selbst. Ich habe schon Preisunterschiede von 50 Prozent erlebt, googlen hilft. Vorsicht ist nur geboten, wenn hierzulande schwer und teuer erwerbbare Sorten im Heimatland günstiger sind. Die Ersparnis bei der Vor-Ort-Bestellung fressen Versandkosten locker weg.
Aber am besten hat man einen Händler seines Vertrauens, auf einer Online-Plattform, oder noch besser, bei einem kleinen Händler um die Ecke. Der kennt sich in der Regel hervorragend aus, man hat die Gelegenheit, das ein oder andere Destillat direkt zu verkosten und bekommt einen schönen Plausch dazu. Das sollte einem der Preisunterschied zu Online-Plattformen gelegentlich Wert sein. Die Krönung aber ist, vor Ort in der Destille Gin zu erleben und zu erwerben. Viel Spaß bei der Entdeckungsreise!
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